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Heinz Erhardt

Heinz Erhardt
Heinz Erhardt
20.02.1909-05.06.1979

 

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Gedichte

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Heinz Erhardt - Was wär ein Apfel ohne -sine - Gedichte, Vierzeiler, Trauergedicht, die Nase, Nichts, Winteranfang, Ausgefallenes, Weihnachten, ein Trauertag, Depressionen, letzter Rat, der letzte Besuch - Der ansteckende Humor von Heinz Erhardt lässt traurige Ereignisse leichter ertragen oder gar in nichts auflösen - Gedichtesammlung.

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Heinz Erhardt

Was wär...

Was wär ein Apfel
ohne -sine
was wären Häute
ohne Schleim,
was wär die Vita
ohne -mine,
was wär'n Gedichte
ohne Reim?

Was wär das E
ohne die -lipse,
was wär veränder
ohne -lich,
was wär ein Kragen
ohne Schlipse,
und was wär ich bloß
ohne dich?

©  Heinz Erhardt

 

Die Nase

Wenngleich die Nas', ob spitz, ob platt,
zwei Flügel, Nasenflügel, hat,
so hält sie doch nicht viel vom Fliegen;
das Laufen scheint ihr mehr zu liegen.

©  Heinz Erhardt

 

Nichts

'Gott hat die Welt aus NICHTS gemacht',
so heißt es im Brevier,
doch manchmal kommt mir der Verdacht,
er macht sich nichts aus ihr.

© Heinz Erhardt

 

In Eile

Kaum warst du Kind, schon bist du alt.
Du stirbst - und man vergißt dich bald.
Da hilft kein Beten und kein Lästern:
was heute ist, ist morgen gestern.

© Heinz Erhardt

 

Winteranfang

Verblüht sind Dahlien und Ginster.
Die Rechnung steigt für Öl und Licht.
Die Nächte werden wieder finster.
Der Tag nimmt ab. Die Oma nicht.

© Heinz Erhardt

 

Ausgefallenes

Man hat ganz oben auf dem Kopfe
viel tausend Poren, dicht bei dicht.
Und nun - das ist das Wunderbare:
aus diesen Poren wachsen Haare !!!
Oder auch nicht.

© Heinz Erhardt

 

Ein Trauertag

Hunderttausend Menschen strömen
auf die Friedhöfe der Städte.
Die Gedanken gehn nach unten
und nach oben die Gebete.

Vater Staat hat uns befohlen,
heut der Toten zu gedenken
ihnen Kränze oder Blumen
oder Tränen gar zu schenken !

Vater Staat mischt sich in alles,
selbst in die intimsten Dinge
als ob der, der wirklich trauert,
nicht auch so zum Friedhof ginge

© Heinz Erhardt

 

Ein Weihnachtslied

Es ist Weihnachten geworden.
Kalter Wind bläst aus dem Norden
und hat Eis und Schnee gebracht.

Doch am Weihnachtsbaum die Kerzen,
die erwärmen unsre Herzen,
und des Kindes Auge lacht.

Und man sieht auf den verschneiten
Straßen weiße Engel schreiten
durch die stille, heil'ge Nacht.

© Heinz Erhardt

 

Weihnachten 1944

(Als ich keinen Urlaub bekam)

Wenn es in der Welt dezembert
und der Mond wie ein Kamembert
gelblich rund, mit etwas Schimmel
angetan, am Winterhimmel
heimwärts zu den Seinen irrt
und der Tag stets kürzer wird
sozusagen wird zum Kurztag
hat das Christkindlein Geburtstag !
Ach, wie ist man dann vergnügt,
wenn man einen Urlaub kriegt.
Andrerseits, wie ist man traurig,
wenn es heißt: 'Nein, da bedaur ich !'
Also greift man dann entweder
zu dem Blei oder der Feder
und schreibt schleunigst auf Papier
ein Gedicht, wie dieses hier:

Die Berge, die Meere, den Geist und das Leben
hat Gott zum Geschenk uns gemacht;
doch uns auch den Frieden, den Frieden zu geben,
das hat er nicht fertiggebracht !
Wir tasten und irren, vergehen und werden,
wir kämpfen mal so und mal so
Vielleicht gibt's doch richtigen Frieden auf Erden ?
Vielleicht grade jetzt ?
Aber wo ?
© Heinz Erhardt

 

Depressionen

Vorvorgestern war ich fröhlich,
vorgestern hat sich's gegeben,
gestern schlug ich Purzelbäume,
heute will ich nicht mehr leben.

Solch ein Zustand ist entsetzlich,
mich und meine Umwelt quäl ich;
doch er dauert nicht sehr lange:
morgen bin ich wieder fröhlich !

© Heinz Erhardt

 

Vierzeiler ohne Überschrift

Es dürfte keine Steuern geben,
kein Zahnweh, keine Schützengräben,
dann wär auf dieser Welt das Leben
vielleicht noch schöner als wie eben!

© Heinz Erhardt

 

Ganz zuletzt

O wär ich
der Kästner Erich !
Auch wäre ich gern
Christian Morgenstern !
Und hätte ich nur einen Satz
vom Ringelnatz !
Doch nichts davon ! Zu aller Not
hab ich auch nichts von Busch und Roth !
Drum bleib ich, wenn es mir auch schwer ward,
nur der Heinz Erhardt

 

Letzter Rat

Bevor man dich verbrennt zu Asche
verhindere, daß man dich wasche.
Versenkt man dich dann in den Keller,
verbrennst du, ungewaschen, schneller!

Wenn sie jedoch die Absicht haben,
dich einst im Ganzen zu begraben,
dann sei appetitlich, frisch und rein
die Würmer werden dankbar sein!

© Heinz Erhardt

 

Der letzte Besuch

Mein Haar ist weiß, grau das Gesicht
Ich schreib mit Mühe dies Gedicht
Mein Hirn ist leer, mein Darm verstopft
Bin so allein
Wo bleibt Freund Hein ?

Aha, es klopft.

© Heinz Erhardt
geb. 20. Februar 1909 in Riga, Todestag: 5. Juni 1979 in Hamburg

 

Heinz Erhardt über sich selbst......

Es war an einem 20. Februar.
Das Thermometer zeigte 11 Grad minus und die Uhr 11 Uhr vormittags, als vor unserem Haus das Hauptwasserrohr platzte.
Im Nu war die Straße überschwemmt und im gleichen Nu gefroren. Die umliegenden Kinder kamen zuhauf, um auf ihren Schuhen schlitt zu laufen.

Ich selbst konnte mich an diesem fröhlichen Treiben nicht beteiligen, weil ich noch nicht geboren war.
Das Ereignis fand erst gegen Abend statt. Und da war die Eisbahn längst gestreut und unbrauchbar geworden.

Das Eislaufen habe ich bis heute nicht gelernt. Auch schwimmen kann ich nicht. Aber zeichnen!

Also zeichne ich hochachtungsvoll .....

Heinz Erhardt Signatur

 

Copyright

Trotz gründlicher Recherche konnten in einigen Fällen die Rechte-Inhaber
der Texte und Bilder nicht ermittelt werden.
Etwaige Anspruchsberechtigte mögen sich unter Nachweis des Anspruchs
an uns wenden.

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