Gedichte
Claire Goll, Zehn Jahre schon, dass du mich liebst - Alle Süßwasser fließen dir zu - Entsündigung - Liebesgedichte | Zehntausend Morgenröten - Gedichte einer Liebe.
Claire Goll, Dichtung, Gedichte einer Liebe, aus zehntausend Morgenröten
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Claire Goll
Liebesgedichte zum Inwendiglernen und Weitersagen
Zehn Jahre schon...
Zehn Jahre schon, dass du mich liebst
Zehn Jahre zehn Minuten gleich
Und immer seh ich dich zum ersten Mal
Die Taschen voller Rosen
Künftige Tränen hinter der Brille
Wie Diamanten in Vitrinen
In deiner Brust eine Lerche
Und unter den schüchternen Handschuhn
die Zärtlichkeiten der Zukunft
Zehn Jahre schon daß du mich liebst
Daß auf allen Uhren
Die Zeit auf immer stillstand
Alle Süßwasser fließen dir zu
Alle Süßwasser fließen dir zu
Die Wolken fallen vor dir in die Knie
Die Flüsse suchen dich durch die ganze Welt
Die Springbrunnen stellen sich auf die Zehenspitzen
Um dich besser zu sehen
Brunnen flüstern deine Lieder in allen Sprachen
Teiche erfinden neue Fische um dich zu nähren
Die Seen sind die zerbrochenen Spiegel deiner Träume
Ein Springquell steigt aus meinem Herzen:
Höher als die Säule des Trajan.
***
Claire Goll
* 29. Oktober 1890 in Nürnberg; + 30. Mai 1977 in Paris
Aus: Zehntausend Morgenröten. Gedichte einer Liebe.
© 1954 Limes Verlag Wiesbaden
Alle Rechte bei und vorbehalten
durch Wallstein Verlag, Göttingen
Nie wieder
Das hab ich nie mehr gewollt
um das Telefon streichen am Fenster stehn
keinen Schritt aus dem Haus gehn Gespenster sehn
Das hab ich nie mehr gewollt
Das hab ich nie mehr gewollt
Briefe die triefen schreiben zerreißen
mich linksseitig quälen bis zu den Nägeln
Das hab ich nie gewollt
Das hab ich nie gewollt
Soll dich der Teufel holen.
Herbringen. Schnell.
Mehr hab ich das nie gewollt.
***
Claire Goll
* 29. Oktober 1890 in Nürnberg; + 30. Mai 1977 in Paris
Aus: Zehntausend Morgenröten. Gedichte einer Liebe.
© 1954 Limes Verlag Wiesbaden
Alle Rechte bei und vorbehalten
durch Wallstein Verlag, Göttingen
ENTSÜNDIGUNG
Unter einem zärtlichen Mimosenbaum
Voll gelber Lächeln
Lieg ich -
Ohne die schamlosen Kleider
Ohne Stöckelschuhe, ohne Schmuck
Und Hut und Handschuh,
Den ganzen Kram der Stadt,
Die arme Verkleidung.
Nackt und fühlend an der riesigen Erde,
Die ich schüchtern in kleine Arme presse,
Und über mir der große Wind,
Der Weltreisende...
O sich in Blumen wiederzufinden,
O nur noch Erde zu sein!
Als ich noch eitel durch die Stadtstraßen ging,
Als ich noch wichtig am Postschalter stand
Oder beim Friseur die Haare kräuselte
- Während Mimosen von mir träumten -
Als ich mir noch die Nägel manikürte
Und nur daran dachte, zu gefallen, ...
Als ich ganz mittellos an Seele war,
Hörte ich aus den Körben der Händler
Mimosen wild hinausschrein -
Dem Nichts, dem Kehricht, dem Tod entgegen -
Da floh ich ihren blonden Wäldern zu.
***
Claire Goll (geb. Clara Aischmann;
eigentlich Clarisse Liliane als Vornamen)
* 29. Oktober 1890 in Nürnberg; + 30. Mai 1977 in Paris
Quelle: Deutschsprachige Dichtung

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