Gedichte
Arthur Rimbaud, Jean Nicolas - Seiten-Sprünge - Für den Winter geträumt, Roman, Mit 17 hat man noch Flausen, Liebesgedichte, zum Inwendiglernen und Weitersagen
Arthur Rimbaud, Jean Nicolas - Seiten-Sprünge - Roman
Wählen Sie im Menü-Bereich links oder rechts einen Link, um zur gewünschten Gedichte-Seite geleitet zu werden.
Arthur Rimbaud
Liebesgedichte zum Inwendiglernen und Weitersagen
Für den Winter geträumt
An ... sie
Im Winter wird ein kleiner rosa Waggon uns wiegen.
Mit Kissen in Blau geschmückt.
Dann geht's uns gut. Verrückt in jeder Ecke liegen
Kußnester eingedrückt.
Du schließt die Augen, fest, weil draußen vor dem Fenster
Das Schattenvolk Grimassen macht,
Dieses monströse Volk zanksüchtiger Gespenster,
Teufels- und Wolfsgezücht der Nacht.
Dann spürst du, wie dir auf der Backe etwas krabbelt...
Ein kleiner Kuß, der wie ein dummes Spinnchen zappelt,
Läuft um den Hals ganz dreist...
Und du sagst: »Such!« und beugst mir deinen Kopf entgegen,
- Doch brauchen wir viel Zeit, das Tierchen zu erlegen,
Das dauernd weiterreist...
Im Eisenbahnwagen, am 7. Oktober 1870
***
Jean Nicolas Arthur Rimbaud, franz. Dichter
* 20. Oktober 1854 in Charleville; + 10. November 1891 in Marseille
Aus: Seiten-Sprünge.
Übersetzung: Hans Therre und Rainer G. Schmidt.
© München; Matthes & Seitz, 1986
Nach oben
Roman
I
Mit 17 hat man noch FLAUSEN (im Kopf).
--- Ein lauer Abend, zum Teufel mit
BOCKS & Limos
& krakeeligen Cafés im Lüster-Schein!
Man macht sich auf die Socken
unter grünen Linden.
Was duften diese Linden DUFTE
in diesen LINDEN Juni-Nächten!
Manchmal ist die Luft
so süß
daß einem die LIDER niederschlagen.
Voll Gedröhn der Wind - die Stadt ist nicht weit -
er duftet nach Rebe
duftet nach Bier...
II
Sieh an: von einem Ästchen umgabelt ein
winziger Schnippel Tief-Azur,
gepiekt
von einem ganz durchtriebenen Stern, der
sachte verzittert,
so klein, so weiß...
Juni-Nächte! 17 Jahr -- Man läßt sich beduseln.
CHAMPAGNER heißt der Saft,
der knallt in die Birne...
Du faselst, spürst
auf den Lippen einen Kuß
ZAPPELN
wie ein kleines Tier...
III
Das bekloppte Herz robinsonniert quer-beet
durch die Romane --- BIS
unterm Licht-Einfall einer fahlen
Laterne
ein Dämchen passiert
possierlich berückend
doch beschattet vom drohenden Vatermörder
des Herrn Papa...
Und da sie dich UHNbeschreiblich kindisch
findet
schwenkt sie
im beharrlichen Trott
ihrer Stiefelchen
um - KECK und mächtig aufgedreht...
Auf deinen Lippen erstirbt das Gesummse...
IV
Du bist verknallt. Ausgebucht bis zum August
Du bist verknallt. - Deine SoNETTE bringen
SIE zum Kichern.
Alle Freunde schneiden dich, du bist ab-geschmackt.
--- Dann eines Abends: der Goldschatz hat
sich brieflich empfohlen...!
Sogleich...
gehst du zurück zu den Glimmer-Cafés,
orderst Bock oder Limo...
--- Man hat noch FLAUSEN (im Kopf), wenn
man 17 ist &
und auf der Promenade sich grüne Linden finden.
29. September 1870
***
Jean Nicolas Arthur Rimbaud, franz. Dichter
* 20. Oktober 1854 in Charleville; + 10. November 1891 in Marseille
Aus: Seiten-Sprünge.
Übersetzung: Hans Therre und Rainer G. Schmidt.
© München; Matthes & Seitz, 1986
Nach oben

Copyright
Trotz gründlicher Recherche konnten in einigen Fällen die Rechte-Inhaber
der Texte und Bilder nicht ermittelt werden.
Etwaige Anspruchsberechtigte mögen sich unter Nachweis des Anspruchs
an uns wenden.
Nach oben
![]()
Empfehlen Sie Brigitte Teupe in Ihrem Freundeskreis weiter!!

